{"id":1470,"date":"2007-10-24T13:23:40","date_gmt":"2007-10-24T11:23:40","guid":{"rendered":"http:\/\/500er-fiat.de\/?p=1470"},"modified":"2007-10-24T13:23:40","modified_gmt":"2007-10-24T11:23:40","slug":"wie-alles-begann-der-mythos-500","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.500er-fiat.de\/?p=1470","title":{"rendered":"Wie alles begann \u2013 der Mythos 500"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Klein, aber sexy: Der Nuova 500 wirkt heute wie ein Botschafter aus einer unbeschwerten Zeit. Sein Anblick lie\u00df 1957 die Herzen der nach Mobilit\u00e4t d\u00fcrstenden Automobilisti dahinschmelzen wie Stracciatella-Eis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Klar war er in erster Linie nat\u00fcrlich praktisch, im Kern seines minimalistischen Auftretens aber auch witzig und smarter als alle seiner modernen Kopien. Denn der Fahrspa\u00df, den der \u201eKugelblitz&#8220; vor 50 Jahren bot, stand im diametralen Verh\u00e4ltnis zu seiner Gr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Turin, 4. Juli 1957: Wo sich sonst unz\u00e4hlige Passanten, Fahrrad\u00adfahrer, Vespas und Autos durch die Stra\u00dfenschluchten der pul\u00adsierenden Metropole zw\u00e4ngen, kommt der Verkehr gro\u00dffl\u00e4chig zum Erliegen. Doch das sonst so typische Hupkonzert bleibt aus. Ganz im Gegenteil: Die Betroffenen reagieren mit ungl\u00e4ubigem Staunen und begeistertem Applaus, sobald sie den Verur\u00adsacher des Chaos entdecken &#8211; einen Konvoi aus 120 nagel\u00adneuen Fiat 500.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Mit der ausgefallenen Aktion pr\u00e4sentierte Fiat sein neuestes Modell erstmals der \u00d6ffentlichkeit. Gerade einmal 2,97 Meter lang und mit 1,32 Meter ebenso breit wie hoch, zog die \u201ebella macchina&#8220; die Passanten mit ihrem witzigen Scheinwerfer-Augenaufschlag in ihren Bann. Mit zun\u00e4chst 13 PS &#8211; ab Oktober 1957 dann 15 PS &#8211; aus 479 Kubikzentimetern knatterte er geradewegs in die Herzen der Italiener. Und das hatte viele Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">\u201eDer Fiat 500 stellt eine vollkommene Verbindung dar zwischen moderner Gro\u00dfserientechnik und der Notwendigkeit, ein Auto zu bauen, das f\u00fcr die Mehrheit erschwinglich ist&#8220;, befanden 1959 die Juroren des \u201eCompasso d&#8217;Oro&#8220; und verliehen ihm folgerichtig diesen angesehensten Designpreis Italiens. Sie lobten die \u201emutige Entscheidung, auf die \u00fcbliche Verzierung des Autos zugunsten einer gewissen Aufwertung der grundlegendsten Elemente und Ziele zu verzichten&#8220;. Diese Auffassung repr\u00e4sentiere einen \u201ewichtigen Schritt auf dem Weg in Richtung einer neuen, echten Ausdruckskraft der Technologie&#8220;. Mit anderen Worten: Der Fiat 500 verzichtete auf \u00fcberfl\u00fcssigen Schnickschnack und konzentrierte sich auf das Wesentliche &#8211; die beiden Grundlagen gelungenen Designs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Wie anders, emotionaler, sahen ihn die Kunden! Sicher, auch sie sch\u00e4tzten die praktischen Vorteile des \u201eCinquecento&#8220; &#8211; vor allem aber erkannten sie in ihm ein Auto mit Seele. Schon bald wuselten immer mehr der kleinen Herzensbrecher \u00fcber die Stra\u00dfen und Gassen des italienischen Stiefels. Doch nicht nur s\u00fcdlich der Alpen, auch in \u201eGermania&#8220; sorgte der Fiat 500 mehr und mehr f\u00fcr eine geh\u00f6rige Prise \u201edolce vita&#8220; im teutonischen Verkehrsgeschehen. Ende der 50er Jahre behauptete Fiat Deutschland im Segment der Fahrzeuge bis 0,5 Liter Hubraum einen Marktanteil von nahezu 40 Prozent &#8211; und das trotz mannigfaltiger Konkurrenz durch Goggo, Lloyd, Heinkel und Isetta. Die Nachfrage \u00fcberstieg das Angebot deutlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Das Jahres-Highlight f\u00fcr die deutschen 500-Fans dieser Jahre. Die Fahrt in die Ferien. Im Sommer ging es mit Sack und Pack und einer H\u00f6chstgeschwindigkeit von 85 km\/h zum Badeurlaub an den Gardasee oder nach Rimini. Dank Luftk\u00fchlung \u00fcberstand der robuste Zweizylinder dabei auch steilste Alpen-Anstiege klaglos. Heckmotor und -antrieb garantierten beste Traktion. Das optionale Rolldach, \u00fcber das praktisch jeder ausgelieferte Fiat 500 verf\u00fcgte, sorgte im Handumdrehen f\u00fcr ungetr\u00fcbtes Cabrio-Feeling.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Nicht nur in punkto Mobilit\u00e4t er\u00f6ffnete der gro\u00dfe Kleine \u00fcbrigens neue Dimensionen: \u201eViele Italiener haben im Fiat 500 zum ersten Mal ein M\u00e4dchen gek\u00fcsst&#8220;, soll der ehemalige italienische Ministerpr\u00e4sident und Medienzar Silvio Berlusconi einst gesagt &#8211; und sich selbst dabei explizit eingeschlossen &#8211; haben. Auch in Deutschland erwies sich das Gef\u00e4hrt vielfach als beziehungsstiftend, wie nicht zuletzt der Ausdruck \u201eKnutsch\u00adkugel&#8220; eindeutig zweideutig unterstreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Apropos Kosenamen: Dass der Fiat 500 f\u00fcr seine Besitzer weit mehr darstellte als ein profanes Fortbewegungsmittel und fast wie ein Familienmitglied behandelt wurde, beweist die enorme Bandbreite liebevoller Bezeichnungen. Die Italiener \u00fcber\u00adnahmen beispielsweise den Beinamen \u201eTopolino&#8220; (M\u00e4uschen) seines Vorg\u00e4ngers und sprachen auch vielfach vom \u201eScatoletto&#8220;, dem Sch\u00e4chtelchen. Einige sahen in ihm sogar die \u201emacchina pi\u00f9 sexy del mondo&#8220;, also das \u201eerotischste Auto der Welt&#8220;. Gekl\u00e4rt ist dabei nicht, ob sie das Auto selbst oder die Erlebnisse mit dem Auto meinten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Mit derartigen Verniedlichungen hatte der im Sp\u00e4tsommer 1958 vorgestellte Fiat 500 Sport auf jeden Fall nicht mehr viel im Sinn. Seine knallroten Rallyestreifen auf wei\u00dfem Lack machten auf den ersten Blick klar: Dieser \u201eCinquecento&#8220; hat es faustdick unter der Heckklappe. Der um 20 auf 499 Kubik\u00adzentimeter vergr\u00f6\u00dferte Hubraum, eine \u201esch\u00e4rfere&#8220; Nocken\u00adwelle, gr\u00f6\u00dfere Ventile und weitere Feinarbeit am Triebwerk sorgten f\u00fcr eine Leistung von 21,5 PS &#8211; eine Steigerung von immerhin 6,5 Pferdest\u00e4rken bzw. 43 Prozent im Vergleich mit dem Serienmodell. Grund genug f\u00fcr viele Fans, den Marken\u00adnamen Fiat als Abk\u00fcrzung f\u00fcr \u201eFeuer in allen T\u00f6pfen&#8220; zu interpretieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Als noch hei\u00dfere Sportger\u00e4te pr\u00e4sentierten sich die von Carlo Abarth modifizierten 500er. Der in Wien im Sternzeichen des Skorpions geborene Ingenieur und Motorenpapst entlockte den Triebwerken bis zu 26 PS. Dabei lie\u00df der eigentlich auf den Namen Karl Abarth h\u00f6rende ehemalige Motorradrennfahrer den Hubraum mit 479 ccm unver\u00e4ndert und setzte stattdessen auf eine h\u00f6here Verdichtung, einen gr\u00f6\u00dferen Weber-Vergaser, polierte Ein- und Auslasskan\u00e4le sowie einen Sportauspuff aus eigener Entwicklung. Derart ger\u00fcstet sorgte der Fiat 500 Abarth auf den Rund- und Rallyestrecken weltweit f\u00fcr Schrecken in seiner Hubraumklasse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Befl\u00fcgelt von diesem Erfolg pr\u00e4sentierte Abarth in den folgenden Jahren auch Versionen mit 583 und 689 Kubikzenti\u00admeter Hubraum, die bis zu 38 PS (!) leisteten und im Renntrimm bis zu 140 km\/h schnell rannten. Auch andere Tuner entdeckten nach und nach den \u201eCinquecento&#8220; als ideale Basis f\u00fcr Verfeinerungsarbeiten, so dass an sportlichen Stra\u00dfen- und reinrassigen Rennmodellen keinerlei Mangel herrschte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Parallel wuchs die Zahl der Karosserievarianten an. 1960 erweiterte beispielsweise eine auf den eher ungew\u00f6hnlichen Namen \u201eGiardiniera&#8220; (G\u00e4rtnerin) h\u00f6rende Kombi-Version die Modellpalette. Dar\u00fcber hinaus entwarfen viele der zu dieser Zeit noch zahlreich vertretenen selbst\u00e4ndigen Carossiers teils aufregend gezeichnete, teils eher skurril anmutende Varianten. Viele Touristen werden den 500er beispielsweise kaum erkannt haben, wenn er in einer von Ghia umgebauten Version mit Gartenst\u00fchlen und einem Sonnensegel als Dach in den Badeorten der italienischen Riviera als Mietwagen oder Hotel-Taxi herumkurvte: Als \u201eFerv\u00e8s Ranger&#8220; verf\u00fcgte er \u00fcber zu\u00adschaltbaren Frontantrieb und unterstrich seine Offroad-F\u00e4higkeiten mit einer Karosserie im Jeep-Stil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Deutlich eleganter setzten sich zum Beispiel die Cabrios von Vignale und Erina oder der Roadster aus dem Hause Viotti in Szene. Dieser teilte sich den Spitznamen \u201eFroschauge&#8220; mit einem nicht unbekannten &#8211; und zugegeben: offensichtlich als Inspiration dienendem &#8211; Modell des britischen Herstellers Austin. Unter verschiedenen von NSU in Heilbronn gefertigten Fiat-Modellen stach vor allem das zweisitzige 500-Derivat \u201eWeinsberg&#8220; hervor, das als Coup\u00e9 und als \u201eLimousette&#8220;, einer Mischung aus Coup\u00e9 und Limousine, erh\u00e4ltlich war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Alles in allem spielten diese Sonderanfertigungen unter insgesamt knapp vier Millionen Fiat 500 nur eine Nebenrolle. Am weitesten verbreitet und mit festem Stellplatz in unseren Herzen war und ist er in seiner urspr\u00fcnglichen Form, als kleine Knutschkugel eben. Von deren Charme lie\u00dfen sich im Laufe der Jahre auch zahlreiche Ber\u00fchmtheiten bezirzen. Vor allem die italienische Haute Vol\u00e9e schm\u00fcckte sich gerne mit dem kultigen Kleinen. So wusste etwa Sophia Loren die erotische Ausstrahlung der \u201emacchina pi\u00f9 sexy del mondo&#8220; nochmals deutlich zu steigern. Frederico Fellini setzte der italienischen Automobil-Ikone 1971 in seinem Werk \u201eRoma&#8220; ein filmisches Denkmal. Und der wahrscheinlich ber\u00fchmteste Glatzkopf der Welt, Yul Brunner, lie\u00df sich in der Buggy-Version von Karosserie\u00adschneider Ghia gern die Sonne aufs blanke Haupt scheinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Aber auch unter Rennfahrern &#8211; einem Personenkreis also, der gemeinhin deutlich h\u00f6here PS-Zahlen gew\u00f6hnt ist &#8211; fanden und finden sich zahlreiche 500-Fans: Die argentinische Formel 1-Legende Juan-Manuel Fangio beispielsweise suchte sich nach dem Ende seiner Motorsport-Karriere einen Fiat 500 aus, um seinen Alltag zu \u201eentschleunigen&#8220;. Den umgekehrten Weg ging einer seiner veritablen Nachfolger: Michael Schumacher war nach Erwerb seines F\u00fchrerscheins zun\u00e4chst am Steuer eines \u201eCinquecento&#8220; rund um das heimatliche Kerpen unterwegs. Die dabei gesammelten Erlebnisse beeindruckten den sieben\u00admaligen Formel 1-Weltmeister offensichtlich derart, dass er seiner Frau Corinna Jahre sp\u00e4ter einen gebrauchten \u201eF\u00fcnf\u00adhunderter&#8220; schenkte. Und auch Ferrari erweiterte den Fuhrpark seines Lieblingsangestellten aus Dankbarkeit f\u00fcr seine Verdienste um ein perfekt restauriertes Exemplar. Weit weniger Ansehen d\u00fcrfte der Fiat 500 allerdings in Ganovenkreisen ge\u00adnie\u00dfen: In zahlreichen St\u00e4dten Italiens setzten die Carabinieri viele Jahre lang die wendigen City-Flitzer ein, um in den winkligen Gassen der Metropolen f\u00fcr Recht und Ordnung zu sorgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Auch wenn die Produktion des Fiat 500 1976 eingestellt wurde &#8211; noch heute sind Sch\u00e4tzungen zufolge allein in Italien rund 600.000 Exemplare putzmunter unterwegs. Auch die Sammler\u00adszene in Deutschland erfreut sich unver\u00e4ndert regen Zulaufs und hegt und pflegt ihre Sch\u00e4tzchen liebevoll. Verschiedene Optimierungsma\u00dfnahmen an der robusten und weitgehend anspruchslosen Technik f\u00fchrten jedoch ebenso wie optische \u201eVersch\u00f6nerungen&#8220; dazu, dass im Detail praktisch kein Exemplar mehr dem anderen gleicht. Eines ist aber dennoch allen gemein: Der urspr\u00fcngliche Charme des Kleinen erobert auch heute noch spielerisch die Herzen der Betrachter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><strong>Fiat Presse Dienst<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klein, aber sexy: Der Nuova 500 wirkt heute wie ein Botschafter aus einer unbeschwerten Zeit. Sein Anblick lie\u00df 1957 die Herzen der nach Mobilit\u00e4t d\u00fcrstenden Automobilisti dahinschmelzen wie Stracciatella-Eis. 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